OpenClaw 2.0 ist da: was das Update für den Alltag mit KI Agenten bedeutet

Es ist das größte Update, das OpenClaw je bekommen hat, und es kam nach einer ungewöhnlich langen Pause. Sieben Wochen ohne Veröffentlichung, dann auf einen Schlag rund 17.000 eingeflossene Änderungen von 933 Beteiligten. Das entspricht ungefähr der Hälfte von allem, was das Projekt in seiner gesamten Geschichte aufgenommen hat.
Offiziell heißt die Fassung 2026.8.1, der Name OpenClaw 2.0 ist der Spitzname dazu.
Wir betreiben unsere Agenten seit über einem Jahr auf OpenClaw, jeden Tag, für Kundenprojekte und für uns selbst. Deshalb hier keine Aufzählung aller Punkte aus den Versionshinweisen, sondern das, was im Betrieb tatsächlich einen Unterschied macht.
Der wichtigste Punkt kommt zuerst, und er steht in keiner Meldung
OpenClaw 2.0 legt Sitzungen und Gesprächsverläufe ab sofort in einer SQLite Datenbank ab statt in einzelnen Dateien. Das klingt nach Innenausbau, hat aber eine Konsequenz, die man vor dem Update kennen muss.
Nach der Umstellung sind alle neu entstandenen Sitzungen für ältere Fassungen unsichtbar. Wer zurückrollt, findet sie schlicht nicht mehr. Das Projekt empfiehlt deshalb ausdrücklich eine geprüfte Sicherung vor dem Update und beschreibt einen eigenen Weg für den Rückweg.
Für jemanden, dessen Agent das Gedächtnis eines Jahres trägt, ist das der eigentliche Punkt der Version. Wir aktualisieren deshalb gestaffelt und nicht auf allen Maschinen gleichzeitig.
Kleiner Nachtrag aus derselben Ecke: Es kursiert ein Paket mit der Nummer 2026.9.1-beta.1, das trotz höherer Nummer älter ist als die stabile 2026.8.1. Das Projekt hat den Fehler selbst dokumentiert. Wer nach der höchsten Zahl greift, greift daneben.
Mehrere Menschen in einer Sitzung
Die auffälligste neue Fähigkeit sind geteilte Sitzungen, vom Projekt „Multiplayer" genannt. Mehrere Personen können an derselben laufenden Unterhaltung arbeiten oder eine Aufgabe aneinander übergeben, ohne dass der Zusammenhang verloren geht.
Das ist genau die Lücke, die uns bisher gefehlt hat. Ein Agent war immer die Sache einer Person. Wollte jemand aus dem Team übernehmen, begann er faktisch von vorn. Für Kundenprojekte mit mehreren Beteiligten ist das der Unterschied zwischen einem Werkzeug für einen Kopf und einem Werkzeug für ein Team.
Das Gedächtnis wird eigenständiger
Hier passiert am meisten, und hier ist auch am meisten Vorsicht angebracht.
Active Memory erlaubt es einem Agenten, in begrenztem Umfang auf Inhalte aus früheren eigenen Unterhaltungen zuzugreifen. Grounded Dreaming, standardmäßig eingeschaltet, verdichtet im Hintergrund Relevantes zu längerfristigen Erinnerungen. Dazu kommt ein Lernsystem, das wiederverwendbare Erkenntnisse festhält und geprüfte Fähigkeiten von allein anwendet, verwaltet über eine eingebaute Werkstatt für Skills.
Der Nutzen liegt auf der Hand: weniger Wiederholen, weniger „das hatten wir doch schon". Die Kehrseite genauso: Ein System, das selbst entscheidet, was erinnernswert ist, braucht jemanden, der gelegentlich hineinschaut. Wir halten dauerhafte Regeln weiterhin bewusst in Klartextdateien, die wir selbst pflegen, statt sie dem automatischen Gedächtnis zu überlassen.
Automatisierung und Computersteuerung
Wiederkehrende Aufgaben bleiben jetzt mit der Unterhaltung verbunden, in der sie eingerichtet wurden. Das klingt banal, räumt aber ein echtes Ärgernis ab: Bisher lief ein nächtlicher Prüflauf irgendwo im Nirgendwo, ohne Bezug zu dem Gespräch, aus dem er entstanden war.
Für wiederkehrende Aktionen genügt außerdem eine einmalige Genehmigung statt einer Rückfrage bei jedem Durchgang. Neu ist auch, dass eingehende Mails über ein IMAP Modul Arbeit auslösen können.
Bei der Computersteuerung darf der Agent auf gekoppelten Macs Oberflächen bedienen, unter Windows und Linux ist das noch ausdrücklich experimentell und muss eingeschaltet werden.
Dazu eine Neuerung, die im Alltag mehr bringt, als sie klingt: Unterhaltungen lassen sich durchsuchen, verzweigen und zurückspulen. Wichtig dabei, und im Zweifel teuer: Zurückspulen macht bereits ausgeführte Aktionen nicht rückgängig. Geänderte Dateien bleiben geändert. Das Gespräch springt zurück, die Welt nicht.
Einstieg und Oberfläche
Die Einrichtung erkennt jetzt, was auf der Maschine schon vorhanden ist, also bestehende Zugänge zu ChatGPT oder Claude, hinterlegte Schlüssel und lokal laufende Modelle. Sie prüft die getroffene Wahl außerdem gegen einen echten Aufruf, bevor sie sie speichert. Wer schon einmal eine halbe Stunde mit einer falsch hinterlegten Zugangskennung verbracht hat, weiß, was das wert ist.
Die Weboberfläche startet direkt in einer Unterhaltung. Man kann dort die Einrichtung zu Ende bringen, laufende Aufgaben wieder aufnehmen und dem Agenten bei der Arbeit zusehen.
Sicherheit: besser, aber die Grundfrage bleibt
Version 2.0 bringt neue Schutzmechanismen für Zugangsdaten, Erweiterungen und geteilte Sitzungen. Zugangsdaten können angefordert werden, ohne im Chat oder im Modellkontext im Klartext aufzutauchen. Für geteilte Sitzungen lassen sich Rechte feiner schneiden, was bei Multiplayer auch dringend nötig ist.
Was bleibt, benennt das Projekt selbst offen: Prompt Injection. Wenn ein Agent fremde Inhalte verarbeitet und gleichzeitig Werkzeuge mit weitreichenden Rechten hat, ist das eine echte Angriffsfläche. Die Abschottung ist weiterhin standardmäßig aus.
Das ist kein Grund, die Finger davon zu lassen, aber ein Grund, Rechte pro Agent zu schneiden. Genau deshalb betreiben wir mehrere Agenten mit getrennten Zugängen statt eines Alleskönners, der überall schreiben darf.
Einordnung
Persönliche KI Agenten sind längst kein Nischenthema mehr. OpenAI, Google, Anthropic und Microsoft bauen eigene Systeme mit Werkzeugzugriff und langlaufenden Aufgaben. Was OpenClaw unterscheidet, ist nicht mehr die Idee, sondern die Bauweise: quelloffen, selbst betreibbar, freie Wahl des Modells.
Bemerkenswert ist dabei, dass das Projekt selbst zum Baustein anderer geworden ist. Microsofts Agent Scout setzt darauf auf, und Nvidia liefert mit NemoClaw zusätzliche Sicherheits und Abschottungsmechanismen dafür.
Was wir jetzt tun
Wir aktualisieren gestaffelt. Zuerst Sicherung, dann eine Maschine, dann beobachten, dann der Rest. Das automatische Gedächtnis schauen wir uns eine Woche lang genau an, bevor wir es auf Kundeninstallationen lassen. Multiplayer testen wir zuerst intern, weil geteilte Sitzungen auch geteilte Rechte bedeuten.
Wenn ihr OpenClaw im Einsatz habt und vor dem Update steht, ist die Reihenfolge wichtiger als die Geschwindigkeit. Und wenn ihr überlegt, ob so ein Agent für euren Shop oder eure Website etwas wäre: schreibt uns.
Auf das Update aufmerksam geworden sind wir über die Meldung bei heise online. Die Details in diesem Beitrag stammen aus den Versionshinweisen des Projekts und aus unserem eigenen Betrieb.
