Shopify Kategorien: der Umbau, auf den wir seit Jahren warten

Wenn wir bei einem neuen Shop unter die Haube schauen, finden wir fast immer dieselbe Stelle. Irgendwo hängt eine App, die nichts weiter tut, als in einer Kategorie ein paar Produkte nach vorne zu schieben. Oder es steht im Theme eine Handvoll Liquid Code, den vor drei Jahren jemand geschrieben hat, den heute niemand mehr anfassen will, und der genau eine Aufgabe hat: eine Ausnahme von einer Regel.
Diese Stellen gibt es, weil Shopify Kategorien bisher eine harte Grenze hatten. Entweder automatisch oder von Hand. Nie beides.
Das ist jetzt vorbei. Und das ist ein größeres Ding, als die Ankündigung vermuten lässt.
Kurz gesagt: Eine Collection kann ab sofort mehrere Quellen gleichzeitig haben. Regeln, die sich selbst pflegen, gesetzte Produkte, Ausnahmen, andere Kategorien und Listen aus Apps. Dazu Kategorien, die einzelne Varianten adressieren und damit auch Rabatte und Steuern steuern. Bestehende Kategorien wandern automatisch mit, ihr müsst nichts neu anlegen.
Was euch in diesem Artikel erwartet
- Warum die alte Grenze so teuer war, und zwar nicht in Lizenzkosten, sondern in Wartung
- Was jetzt geht, sechs Punkte mit einem Beispiel aus dem Shopalltag
- Drei Fälle aus unseren Kundenprojekten, die sich damit erledigen
- Was ihr tun solltet, plus die eine Aufgabe für die Entwicklung
Warum die alte Grenze so teuer war
Automatisch hieß: eine Regel, zum Beispiel alle Produkte mit dem Tag Sale. Läuft von allein, aber ihr habt keinerlei Zugriff. Kein Produkt lässt sich nach oben ziehen, keine Ausnahme definieren. Die Reihenfolge macht der Algorithmus.
Von Hand hieß: volle Kontrolle, dafür klickt jemand jedes neue Produkt einzeln in jede passende Kategorie. Bei dreißig Artikeln geht das. Bei dreihundert vergisst es irgendwann jemand, und dann fehlt die Neuheit in der Neuheiten Kategorie.
Weil beides für sich nicht reicht, hat man beides gemischt. Automatische Kategorie plus App fürs Sortieren. Oder automatische Kategorie plus ein bisschen Liquid für den einen Sonderfall. Funktioniert, kostet aber jedes Mal dasselbe: Die Regel, warum ein Produkt an einer bestimmten Stelle steht, liegt nicht mehr in Shopify. Sie liegt in einer App oder im Theme.
Und damit sieht sie niemand. Das Marketing Team nicht, die Agentur beim Onboarding nicht, und beim nächsten Theme Update ist sie manchmal einfach weg. Wir haben solche Konstruktionen mehrfach zurückgebaut. Der Aufwand steckt nie im Umbauen, sondern im Herausfinden, was da eigentlich passiert.
Was jetzt geht
Eine Kategorie, mehrere Quellen
Das ist der Kern. Eine Collection kann gleichzeitig gespeist werden aus Regeln, aus gesetzten Produkten, aus Ausnahmen, aus anderen Kategorien und aus App Listen.
Neuheiten zum Beispiel: alles aus den letzten 30 Tagen automatisch, dazu drei Bestseller, die ihr fest nach oben setzt. Die Neuheiten laufen von allein rein, eure drei stehen, wo sie stehen sollen.
Oder der Preiseinstieg: automatisch alles unter 50 Euro, das lieferbar ist, Vorbestellungen raus. Ändert sich ein Preis, ändert sich die Kategorie. Ohne dass jemand etwas tut.
Reihenfolge inklusive
Ihr legt fest, in welcher Reihenfolge Kundinnen und Kunden das sehen. Klingt banal, war aber genau der Grund für die halbe Sortier App Industrie. Eine Sale Kategorie zieht automatisch alles mit reduziertem Preis, nimmt die Bestseller raus, die nicht rabattiert werden sollen, und ein paar knappe Artikel fliegen gezielt hinterher. Früher: drei Kategorien und ein Theme Eingriff.
Listen aus Apps
Kategorien können Produktlisten direkt aus einer App beziehen, und ihr stapelt eure eigenen Regeln darauf. Der Punkt wird gerade unterschätzt, dabei löst er drei Dinge auf einmal.
Eine App, die Trendprodukte aus Verkaufsdaten ermittelt, spielt das Ergebnis direkt in die Kategorie, in Echtzeit. Dieselbe Liste versorgt gleichzeitig die Startseite und die Kampagnenmail, definiert an genau einer Stelle. Und wenn eine App eine Sperrliste pflegt, etwa Artikel, die nie rabattiert werden dürfen, hängt ihr diese Liste an alle betroffenen Kategorien. Ändert sich die Liste, ändern sich alle Kategorien mit.
Varianten statt nur Produkte
Bisher war das kleinste Element immer ein ganzes Produkt. Jetzt könnt ihr einzelne Varianten adressieren. Eine Kategorie nur mit den roten Varianten, ohne dass die blaue desselben Produkts mit hineinrutscht.
Interessant wird das, weil Kategorien jetzt auch Rabatte und Steuern steuern. Eine Aktion auf alle XS und XXL Varianten definiert ihr einmal. Danach ist jedes neue Produkt in diesen Größen automatisch Teil der Aktion, auch das, was es heute noch gar nicht gibt.
Kategorien aus Kategorien
Eine Collection kann aus anderen Collections bestehen. Activewear setzt sich aus Leggings, Tops und Shorts zusammen. Kommt eine neue Legging dazu, steht sie automatisch auch in Activewear. Keine Duplikate mehr, keine zwei Listen, die auseinanderlaufen.
Wer seine Kategoriestruktur einmal sauber aufbaut, pflegt danach nur noch die unterste Ebene. Das ist der Punkt, an dem sich der Umbau in großen Katalogen richtig auszahlt.
Sidekick baut es
Ihr sagt, was ihr braucht. Aus „erstelle eine Neuheiten Kategorie, die Artikel nach zwei Wochen wieder entfernt" wird das Tagging, das automatische Entfernen nach 14 Tagen und die passende Kategorie dazu. Ihr schaut drüber und veröffentlicht, auch vom Handy.
Dazu ein neu gebautes Admin, in dem Produkte per Drag and Drop sortiert werden und man zwischen Raster und Liste wechseln kann.
Drei Fälle aus unseren Kundenprojekten
Der Artikel, der oben stehen muss. Kommt in jedem Shop vor. Die Kategorie läuft automatisch, aber ein bestimmtes Produkt gehört auf Platz eins, weil die Marge stimmt oder die Kampagne darauf zeigt. Bisher: Theme oder App. Ab jetzt: ein gesetztes Produkt in einer automatischen Kategorie, fünf Minuten, und jeder im Team sieht im Admin, dass es so gewollt ist. Die gesparte Zeit ist dabei das Kleinere. Das Größere ist, dass die Entscheidung dokumentiert ist.
Größen und Sets. Sobald ein Produkt in mehreren Varianten existiert, war jede variantenbezogene Aktion Handarbeit, jedes Mal aufs Neue. Mit Varianten Kategorien definiert man „alle Nachfüllgrößen" oder „alle Sondergrößen" einmal, und die Aktion läuft danach von allein weiter.
Die Aktion mit Ausnahmen. Jede Rabattaktion hat welche. Neuheiten, knappe Ware, preisgebundene Artikel. Bisher stand diese Liste irgendwo daneben, in einer Tabelle oder im Kopf von jemandem. Jetzt gehört die Ausnahme zur Kategorie selbst, sichtbar und nachvollziehbar.
Der gemeinsame Nenner: Die Logik wandert zurück dahin, wo man sie sucht. Nicht ins Theme, nicht in eine App, sondern ins Shopify Admin. Weniger Abhängigkeiten, weniger, das beim nächsten Update bricht, und kein Entwickler mehr nötig für die Frage, warum ein Produkt an einer bestimmten Stelle steht.
Für Shops, deren Kategorien bisher von Apps zusammengehalten werden, lohnt sich deshalb gerade ein Blick auf den App Stack. Manches, wofür monatlich ein Abo läuft, kann Shopify jetzt selbst.
Was ihr tun solltet
Nichts umbauen, was funktioniert. Bestehende Kategorien wandern automatisch mit. Nichts löschen, nichts neu anlegen.
Den App Stack durchgehen. Welche App existiert nur, weil Kategorien vorher zu starr waren? Sortieren, Merchandising, Sperrlisten. Ein Teil davon erledigt sich.
Theme Eingriffe suchen. Sortier und Filterlogik im Liquid Code gehört zurück ins Admin. Jede Zeile weniger im Theme ist eine Zeile weniger, die beim nächsten Update bricht.
Die Aufgabe für die Entwicklung. Arbeiten eigene oder fremde Apps mit Collections, müssen sie auf API Version 2026-07 gehoben werden. Sonst kennen sie die neuen Fähigkeiten schlicht nicht. Das ist der einzige Punkt, der wirklich auf eine To do Liste gehört.
Klein anfangen. Nehmt euch die eine Kategorie vor, über die ihr euch seit Monaten ärgert. Automatische Basis, zwei gesetzte Produkte obendrauf, eine Ausnahmeregel. Eine halbe Stunde, und ihr wisst, ob das Modell zu eurer Struktur passt.
Kurzfassung
Shopify hebt bei Kategorien die alte Grenze zwischen automatisch und von Hand auf. Eine Collection kann jetzt auf Regeln, gesetzten Produkten, Ausnahmen, anderen Kategorien und App Listen gleichzeitig beruhen, in einer Reihenfolge, die ihr bestimmt. Dazu kommen Kategorien auf Variantenebene, die auch Rabatte und Steuern steuern.
Der Gewinn steckt weniger in den einzelnen Funktionen als darin, dass Merchandising Logik aus Themes und Apps zurück nach Shopify wandert. Sichtbar, pflegbar, updatefest. Wer eigene Apps auf Collections aufsetzt, plant die Migration auf API Version 2026-07 ein. Alle anderen bekommen das Update von allein und fangen am besten mit der Kategorie an, die schon immer genervt hat.